Kurze Texte zu den Figuren
09.07.2010
THOR
Der ZORN ist bei dem nordischen Gott Thor besonders ausgeprägt. Leicht reizbar und schnell grollend, macht er seine Wut durch das Schleudern seines wiederkehrenden Hammers für alle spürbar. Als Drachenbezwinger gegen die Midgardschlange steht er für das ewige Drängnis, die inneren und äußeren Befindlichkeiten zu bekämpfen. Lebenslustig und trinkfest lässt er sich auf vielerlei Abenteuer ein, die Slapsticknummern gleichkommen und den Donnergott manchesmal der Lächerlichkeit preisgeben. Sein Kraftgürtel gereicht ihm nicht nur zu seinem Vorteil, sondern verhindert hin und wieder auch seine Sensibilität, die zur Lösung einiger Schwierigkeiten unschädlicher wäre. Durchaus positiv ist der Zorn als zeitweiliges Instrument der Abgrenzung und Selbstbestimmung. Der Zorn als Charakter aber wird zu einem Joch, das man nicht mehr ablegen und die Welt nur noch aus diesem Blickwinkel erfahren kann. Die Einsamkeit des grollenden Monsters ist in das Bild der gefesselten Frankenstein-Kreatur gegossen. Erschaffen von einem Schöpfer und der Marter der Welt preisgegeben, findet das Geschöpf keinen Respekt und keine Liebe. Gefesselt brodelt der Zorn und bricht sich Bahn. Der Bär ist das unberechenbarste der Raubtiere, denn er zeigt keine Mimik oder Gestik. Wenn er das Brüllen vernehmen lässt, ist keine Zeit mehr für Interpretationen – dann ist er entfesselt und greift an.
LIEUTENANT F.U.B.A.R.
F.U.B.A.R. ist die Abkürzung für: Fucked Up Beyond All Recognition. Dies meint diplomatisch ausgedrückt: Im Stich gelassen jenseits jeden Interesses! Ein Lieutenant der US-Armee im 2. Weltkrieg überlebte als Zugführer seinen Einsatz statistisch 17 Tage. Was hier als Ruhm übrigbleibt ist dürftig und beschränkt sich auf einen Namen, den Rang und ein paar Jahreszahlen auf einem Holzkreuz – bestenfalls in Arlington – eher wohl irgendwo in Europa oder auf einer Pazifikinsel. Unvorstellbare Anstrengungen und Leid, Schmerzen und Wahnsinn wiegen wenig, wenn man sich vor Augen hält, daß es bei Kriegen um das bewusste Auslöschen von menschlichem Leben geht! Die Figur setzt sich aus Taschen zusammen. Ein Bild für den mit Ausrüstung vollbepackten amerikanischen Soldaten, der sich im unentdeckten Land nicht auf reibungslosen Nachschub verlassen kann – aber auf sich und den Soldaten neben ihm.
[…] „Daß man nicht uns dabei erwähnen sollte,
Uns wen´ge, uns beglücktes Häuflein Brüder:
Denn welcher heut sein Blut mit mir vergießt,
Der wird mein Bruder; sei er noch so niedrig,
Der heut´ge Tag wird adeln seinen Stand.
Und Edelleut´ in England, jetzt im Bett´,
Verfluchen einst, daß sie nicht hier gewesen,
Und werden kleinlaut, wenn nur jemand spricht,
Der mit uns focht am Sankt Crsipinus-Tag.“ […]
W.Shakespeare „König Heinrich V.“ (IV/3)
GOYA
Die von Francisco de Goya in Aquatintatechnik angefertigten "Los Caprichos" und "Desastres de la Guerra" zeigen, wie gescheit er sich mit den politischen und sozialen Dilemmas seiner Zeit beschäftigt hat. Die Radierfolgen zeigen die Folgen und Gräueltaten während der napoleonischen Herrschaft und dem Unabhängigkeitskrieg der spanischen Bevölkerung. Die Katholische Inquisition hat es in diesen Wirren der Zeit erfolgreich unternommen, die mittelalterliche Verachtung und Quälerei für den Menschen in die Moderne zu retten. Die Figur ist dunkel gehalten, wie ein unverrückbar schweres Möbelstück angelegt, und meint den verstaubten und muffigen Geist des sich windenden Ancien Régime und Absolutismus in Europa. Der Kopf mit dem Zylinder zitiert das erste Blatt der Caprichos, auf dem sich der stolze Künstler abbildet. Die Schandtaten der Napoleonischen Besatzer sind ebenso übel wie die Methoden der Inquisition, und so flankieren die Seiten der Figur zwei brachiale Sägen, die dazu dienen können, Menschen oder ihre Gedanken zu zerteilen. Die Schulterpartie ist angelegt wie ein Schraubstock und erinnert an die Garotte – wie in Capricho No. 34 -, die entweder die Luftröhre abschnürt oder das Genick mit einer Schraube bricht. Derart bewegungslos gefangen in einer üblen Zeit wird Goya taub, aber er steht geadelt auf dem Roten Gold seiner Radierplatten.
HUSAR
Ridley Scotts Film „Die Duellisten“ beruht auf einer Novelle von Joseph Conrad. Zwei Husaren der napoleonischen Armee duellieren sich 15 Jahre lang bei verschiedenster Gelegenheit. Entstanden durch eine Lappalie drängen sich Mut und Schneid, Ehre und soldatisches Standesbewusstsein in den Vordergrund der kriegerischen Lebensgestaltung. Aber gerade die geschmückte Eitelkeit erfährt ihren Höhepunkt in einem geckenhaften Hahnenkampf von Beförderungen und Auszeichnungen, von Orden und Befehlen. Tod und Krieg sind nicht genug für einen Husaren und lassen das Duell als persönliche Satisfaction noch honoriger erscheinen. Die Figur in der Farbe des Elfenbeins ist geschnitzte Schachfigur, Spielzeugsoldat und hölzerner Nussknacker. In E.T.A. Hoffmanns „Nussknacker und Mäusekönig“ führt der Nussknacker eine Husarenarmee gegen die Mäuse, was in Peter Tschaikowskis zuckersüßem Ballett mit seiner großartigen Musik vertont ist. Seine „Ouvertüre 1812“ mit dem Glockengeläut erinnert an den Rückzug der napoleonischen Armee von Moskau und die folgende Völkerschlacht bei Leipzig 1813. Was von Ehre und Glorie, von Courage und Heldentum übrig ist, bleibt im Morast der russischen Taiga stecken. Aufgerieben durch die Befreiungskriege kommt es bei Waterloo zum Abschluss der napoleonischen Ära und einem zweifelhaften Ehrbegriff.
ALICE
Wer kennt nicht die Abenteuer von Alice im Wunderland. Selbst diejenigen, die nicht wissen worum es geht, meinen es trotzdem zu kennen. Ein Topos für Alle! Eine phänomenale Geschichte, die sowohl in ihrer literarischen Form als auch in ihrer Logik sowie ihrer Sinnlosigkeit ebensowenig zu fassen ist, wie das debile Personal dieser Erzählung nachvollziehbare Verhaltensweisen an den Tag legt. Das Stück verhindert die Phantasie des Lesers, weil das Absurde und Groteske in einem starren, logisch-mathematischen Muster innerhalb einer Käfigstruktur stattfindet. Von Lewis Carroll erfunden, zeigen seine aneinandergereihten Begebenheiten den Traum eines neunjährigen Mädchens, das sich in der Kälte des Victorianischen Zeitalters ein böses Fieber zugezogen hat. Das mädchenhafte, zarte Pink der Plastik ist von einem grauen Schleier überzogen, der die Lebensfreude tilgt. Wie ein Kreisel aufgebaut und ohne Arme gafft die fiebernde Alice tumb in eine Welt voller Humbug und eigentlich bedrohlicher Gefährlichkeiten. Verborgen unter dem muffigen Rock des Zeitalters sind die Protagonisten in einer engen Voliere in bedrückendem und nervösem Durcheinander gefangen. Die Frisur aus Möbelprofilen zitiert das holzig-eckige, das den Kopf des Mädchens umschließt. Die Katze ist das einzig warme dieser Geschichte. Sie grinst :) .
TRONJE
Der heldenhafte und schauderhafte, einäugige Hagen von Tronje erschlug im Nibelungenepos mit List und Tücke den Helden Siegfried von Xanten. Die Treue unter König Gunthers burgundischen Kriegern ist sprichwörtlich und hielt bis zum Letzen im Gemetzel an König Etzels Hof. Die Figur zeigt das „Deutsche“: Fechten, Reiten, Schießen! Fragwürdige Eigenschaften, die ein kriegerisches Volk zusammenschweißen, es aber nicht zu Freunden der Nachbarn macht. Die „Nibelungentreue“ macht Geschichte im 1. Weltkrieg in der Bindung zwischen dem Deutschen Kaiserreich und Österreich-Ungarn, im 2. Weltkrieg wandelt sie sich zur Hingabe der Deutschen an den „Führer“. Nach Stalingrad erfuhr Hagen von Tronje in der Germanenpropaganda des Nationalsozialismus seine Apotheose. In der Camouflage der Wehrmachtspanzer stützt sich die Figur in der Pose eines Kriegerdenkmals auf das Schwert. Das Ritterkreuz auf der Brust und mit deutschem Hirschgeweih als Helmzier, ist er ausgestattet mit Armbrust, Schild, Streitaxt, Morgenstern und Signaltrompete. Sein Rückenpanzer ist mit Pfennigen bestückt, auf denen das Eichenlaub zu sehen ist. Der Umhang aber, der den Burgundern so edel war, ist in gleicher Tarnung gehalten und umschließt den Großen Hagen von Tronje wie ein Sarkophag.
ASTRONAUT
Nichts ist lebensfeindlicher als das Universum, und doch bringt es Leben hervor. Das All ist luftleer, kalt und ohne Richtung. Was machen wir im Raum, was treibt uns an? Der Raumanzug hat Menschenform, er garantiert Leben und Bewegung in begrenzten Ressourcen. Das Backpack produziert Energie, Luft, Klima und Antrieb. Die Abhängigkeit von diesem Gerät und dem Raumanzug zeigen die Schalteinheiten, die zuvor programmiert worden sind und die ausschließlich den Zweck der Lebenserhaltung und Bewegung erfüllen. Der Raumfahrer hat keinen Einfluß und kann nichts mehr am Plan ändern – seine Hände sind zu grob und unbeweglich für eine Umprogrammierung bei sich verändernden Umständen. Die Optische Einheit steht für das Objektive und bestimmt die Koordinaten durch drei Bezugspunkte. Die Bestimmung im Raum wird durch die Kommunikation gestützt, die durch die dreiarmige Antenne gemeint wird. Die Kontrollinstanz durch die Maschine bildet das Interface zur Helmeinheit, in der die Hauptsinne enthalten sind: Wahrnehmung, Entdeckung, Kalkül, Mut, Angst und Flucht. Im Helm schwirrt die Darstellung des Universums und meint die unmittelbare Verbundenheit von objektivem Raum und subjektiver Wahrnehmung. Die Landeeinheit auf vier kleinen Beinen zittert vor dem unbekannten Terrain.
SAMSARA
Apsaras sind in der Mythologie menschlich-göttliche Mädchen, die als „Nymphen“ mit den Luft-, Wald-, und Wassergeistern unseres Kulturkreises vergleichbar sind. Als die 26 himmlischen Tempeltänzerinnen unterhalten sie die hinduistischen Gottheiten im Göttertempel. Vier von ihnen werden beizeiten auf die Erde geschickt, um mit ihrem perfekten weiblichen Körper und ihrer verführerischen Sinnlichkeit die asketischen Weisen von ihrem Streben nach spiritueller Perfektion abzubringen. „Samsara“ ist der Kreislauf der ewigen Wiedergeburt. Der Zyklus des Lebens ist das sich ewig drehende Rad des Leidens. Im himmlischen Tanz versunken hält Samsara - als Lebensrad aber auch als Flammenkranz Shivas - die Tugenden wie die Laster in ihren Händen. Apasmara, der Dämon der Unwissenheit hängt als Affe in den Schlingen des unteren Korsetts. Die „Geistesgifte“ Gier, Hass und Verblendung werden herumgewirbelt wie die tugendhaften Bestrebungen des Menschen, um aus Bindungen, Begierden und Wünschen zu entkommen, und um die Erlösung aus diesem Reigen zu erlangen. Das Gesicht der Apsara lächelt von der einen und weint von der anderen Seite, denn sie weiß, dass der Mensch das Nirvana erreichen kann, weil er weder übermäßiges Leid, noch übermäßiges Glück erfährt. In Routine und Alltag gefangen, kasteit er sich zusätzlich, um aus dem zu entrinnen, was ihn an das Leben bindet.
DAUPHIN
Nur ein Kind empfindet und gibt die wahre Liebe. So wie der „Kleine Prinz“ in Antoine de Saint-Exupérys kleinem Buch die Planeten besucht und schließlich auf die Erde „fällt“, auf der Suche nach Freunden, so stürzt der Pilot in den Sand der Sahara und findet sich in einer Welt wieder, die er unbedingt wieder verlassen muß, wenn er leben will. Beide müssen diese Welt wieder verlassen. Der kleine Prinz findet die Welt der Erwachsenen sehr merkwürdig und verhilft dem Piloten durch seine Erzählungen zu einer Einsicht in die unsichtbaren und damit wahrhaftigen Dinge des Herzens. Das Kindsein zu bewahren, ist ein Streit gegen die Drängnisse des Erwachsenwerdens, ein kindliches Behaupten gegen das Nachlassen von Empfindungen und Phantasie. Nicht Anerkennung oder Dank, nicht Reichtum und Eitelkeit, nicht Rausch oder Gelehrtentum macht den Menschen zum Menschen, sondern der Respekt vor dem anderen. Der Pilot hat viel Zeit, sich Gedanken zu machen, wenn er fliegt – es ist eine Tätigkeit im Nichtstun, wenn er nachdenkt über die Welt unter ihm. Er fliegt mit einer Maschine, und die kann abstürzen. Aber mit Werkzeug und Zuspruch in einer ganz unerwarteten Situation, läßt die Zuversicht den Phönix wieder fliegen. Bleiben wir doch mal stehen, wenn uns ein Engel vor die Füße fällt – vielleicht braucht auch er unsere Hilfe und unseren Respekt.
DAPHNE
Als der Gott Apollon den Liebesgott Amor verspottete, weil dieser mit seinem lächerlichen Bogen kein Monster wie Python töten könnte, zahlte Amor es Apollon heim, indem er einen goldenen Liebespfeil auf ihn und einen bleiernen auf die Nymphe Daphne abschoss. Apollon verliebte sich unsterblich in Daphne, während diese, von einem genau das Gegenteil bewirkenden Pfeil getroffen, für diese Liebschaft gänzlich unempfänglich wurde. Als Apollon Daphne bedrängte, floh sie in einer wilden Verfolgungsjagd durch den Wald. Erschöpft durch die Verfolgung Apollons, der sich reizende Sorgen macht, dass seine Liebe nicht stürzen möge, flehte sie zu ihrem Vater Peneios, dass er ihre bezaubernde Gestalt verwandeln möge. Daraufhin erstarrten im Lauf ihre Arme und Beine und sie veränderte sich in einen Lorbeerbaum. Zum Gedenken an Daphne trägt Apollon einen Lorbeerkranz oder eine mit Lorbeer geschmückte Leier. Nicht durch eigenes Verschulden kommt die Nymphe in die klägliche Situation, sondern durch ruchloses Spiel der Götter. Ist sie nun durch dieses Schicksal ihres Lebens betrogen worden? Oder ist es eine höhere Lebensform, in eine andere Gestalt zu wechseln?
AFRIKA – GEIER
Der Geier ist in Afrika die Verbindung von Himmel, und Erde. Der Totengräber ist sich nicht zu schade, die knappen Reste des Kontinents zu verwerten. In seiner Hässlichkeit zeigt er eine große Würde und ist der wirkliche König der kargen Landstriche. Die Figur ist aus länglichen Formen aufgebaut, die die Farben des Staubs, des Bodens und der Steine tragen. Diese Formen meinen aber auch das Zersplitterte der Knochen und die kaum darstellbaren Farben des Kadavers. Seine Krallen sind noch oben gerichtet und schließen die Plastik auf sich selbst ab, was die Leichtigkeit des Vogels unterstützt. Die unteren Beine sind mit Werkzeugen und Essbesteck bestückt. Hierdurch bleibt kein Zweifel an der Funktion seiner Krallen. Beide Flügelelemente ergeben eine runde Scheibe, die Mobilität, Schnelligkeit und Kraft symbolisiert, aber auch die Schwere des Tieres am Boden anklingen läßt. Die Zweiteilung eines Ganzen meint auch immer den Dualismus einer Sache. In diesem Fall das Wechselspiel von Leben und Tod. Der Trichter auf der Spitze der Vogelfigur findet seinen Ausgang im Federtrichter, der den Kopf umschließt. Damit ist, ähnlich wie bei einem Fleischwolf, das Befüllen und Verarbeiten der Nahrung gemeint.
AFRIKA – GORILLA
Der Gorilla gilt als sozial, clanbezogen und friedfertig. Mit seinem Kiefer, der etwa viermal kräftiger als der einer Hyäne ist, knackt er als Vegetarier lediglich armdicke Bambusschäfte. In seiner Sanftheit birgt sich aber latent die brutale Grausamkeit eines Bokassa oder Idi Amin. Als Clanchef ist die Figur kauernd angelegt, mit Machtinsignien ausgestattet. Der obligate Leopardenumhang ist verbildlicht durch eine Elfenbeinschnitzerei mit einem Anbetungsritual. Der vielbesungene „Schwarz-Weiß-Kontrast“ Afrikas bekommt anschauliche Gestalt in Ebenholz und Elfenbein. Das Weiß des Stoßzahns ist durch einen dunklen Glanz ersetzt, der das „Nasse“ symbolisiert; das Ebenholz ist stumpf und trocken. Vor dem „Bösen Blick“ durch eine „verspiegelte“ Brille geschützt, schaut der Diktator machttrunken und gut gelaunt, kauend und lamentierend über seine unterworfenen Clans, deren Menschen und deren Land. Mit seinem Schiffchen auf dem großen Schädel und dem köstlichen Gehabe seiner Macht, liebt er die napoleoneske Maskerade von Orden und Knopfleisten. Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ beschreibt in enormer Subtilität das Grauen, das aus dem schwarzen und lichtlosen Dschungel entsteht und diejenigen Menschen beschleicht, die endlich durch ihre Allmacht selbst zum Menschenfresser werden.
AFRIKA – ZEBRA
Afrika: Die sogenannten „Großen Fünf“, Elefant, Rhinozeros, Leopard, Löwe und Büffel. Das ist das Afrika der trophäensammelnden Großwildjäger. Afrika aber ist nicht nur das Land der Einzelgänger, sondern es ist der Kontinent der Faszination der Großen Zahl: es ist der Erdteil der Herden. Zebra und Gnu ist Afrika. Friedliebende Vegetarier, das eine den Pferden, das andere den Rindern verwandt, ziehen sie im Laufe des Jahres durch unterschiedlichste Landschaften von einer Wasserstelle zu anderen. In ihrem Troß leben die Fleischfresser. Ihr Leben richtet sich ausschließlich nach den Herden aus. Der Solitär ist nicht Einzelgänger, sondern ein Element in dem gewaltigen Lebensrad Afrika, in einem riesigen Land, in dem das Wasser ebensoschnell versickert, wie es getrunken wird. Die Zebrafigur ist eine Gestalt der Gefäße, eine Lebenbringerin und Erhalterin des sensiblen Gefüges in einer feindseligen Umgebung. Wer das Wasser nicht transportieren kann – wie die Tiere, der kann nicht weiterziehen, ohne die Gefahr zu verdursten. Wer das Feuer nicht machen kann, der kann nicht weiterziehen ohne die Gefahr zu erfrieren. Aus Afrika sind unsere Urahnen weggezogen. Die ganze übrige Welt ist daraus entstanden. Die Meisten sind dageblieben – sie haben Durst und sie frieren.
AFRIKA – LEOPARD
Der Leopard ist der wirkliche Jäger Afrikas. Ein Einzelgänger und König des Waldes. Die Fauna ist aufgeteilt in 8 Lebensstrategien, die einander zugeordnet sind: Gemeinschaft oder Individuum, Versuch oder Strategie, List oder Täuschung, Schnelligkeit oder Kraft. Zebra und Leopard, Affe und Gepard, Schlange und Hyäne, Gazelle und Elefant. Diese Möglichkeiten treffen tagein tagaus aufeinander und bilden ein selbstregelndes Lebensgefüge.
Die Figur folgt der Ikonographie des afrikanischen Stammesfürsten. Aufrecht mit den Szeptern, dem Schild, dem Umhang und dem Sonnenschirm. Die drei Szepter symbolisieren das christliche, islamische und divinatorische Glaubensmodell und deren Wettstreiten um die größten Bevölkerungsgruppen. Der Tribalismus – die Stammesbezogenheit – konzentriert Streit und Grausamkeit auf den nächsten Nachbarn. Einigkeit, in welcher Form auch immer, ist kaum zu erwarten, wenn die 8 Lebensstrategien der Tiere als Denkfigur auf das Stammesleben der Menschen übertragen werden. Die Camouflage des Leopardenkönigs verbirgt ihn und seine Absichten. Er verschwimmt vor dem Hintergrund der Savanne und des Waldes. Man sieht ihn nicht, und man merkt ihn nicht kommen. Man spürt ihn nicht einen Meter neben sich – aber er ist da.
EULENSPIEGEL
Der Possenreißer Till Eulenspiegel war bekannt für seine Streiche, die er seinen Zeitgenossen spielte. Immer war dabei auch eine Verulkung von Einfalt und Wichtigtuerei der Stände und Berufe die Quintessenz dieser kurzen Erzählungen. Seine Attribute - Narrenkappe und Marotte – zeichneten ihn gewissermaßen als einen Kritiker seiner Zeit aus.
Die Figur ist beklebt mit den Motiven der Holzschnitte aus dem Buch „Das Narrenschiff“ (1494) von Sebastian Brant. Eine moralsatirische Darstellung von Lächerlichkeiten aller Ämter, Stände und Menschentypen. Es ist eine Reise von 100 Narren auf einem Schiff in die Laster und Sünden der Welt.
Das Ringen um die Vernunft führt zur Figur des „Rattenfängers von Hameln“, der, betrogen durch die Stadtväter, durch die Musikinstrumente zitiert ist. Wer die Ratten fangen kann, kann auch die Menschen fangen.
Die Käfige an den Seiten und auf dem Rücken der Plastik führen zum Vogelfänger „Papageno“, der sich in seiner Unbedarftheit nach inniger Liebe sehnt. Sind gefangene Wesen der Preis dessen, was man begehrt? Wissen die Gefangenen, dass sie gefangen sind? Oder sind es die persönlichen Eitelkeiten, die das Leben bedeutsam machen?
SYRINX
In den Metamorphosen von Ovid (1. Buch, Vers 689-713) verschmäht die Nymphe Syrinx die Liebe des beschwipsten, bocksbeinigen Waldgottes Pan, der ihr liebestrunken nachstellt.
Auf der Flucht vor ihm wird sie, auf ihr Bitten hin, am Fluss Ladon in Schilfrohr verwandelt, das Pan daraufhin umarmte. Als nun der Wind in das Rohr blies kamen klagende Töne hervor. Pan wollte die Klänge nicht verlieren, also brach er aus dem Schilfrohr sieben Teile, eines immer etwas kürzer als das vorherige, und band sie zusammen. So fertigte Pan mit Hilfe von Wachs die Syrinx genannte Hirtenflöte, und in echter Trauer um seine verwandelte Liebe ergriffen, spielt er tagein tagaus und auf ihr seine Lieder.
Abneigung und Begehren prallen im Leben oft aufeinander – und was zeigt dies besser, als die archaische Verwandlung in etwas völlig Wesensfremdes, das sich dem Leben entzieht und für den Zurückgebliebenen eine anbetungswürdige Erinnerung bleibt.
PSYCHE
Psyche ist eine Prinzessin, die so makellos ist, dass Venus, die Göttin der Schönheit und Liebe, keine Chance gegen sie hat. Verärgert ruft sie ihren Sohn Amor und befiehlt ihm, Psyche dazu zu bringen, sich in ein Monster zu verlieben. Kurz vor der Heirat wird Psyche von Zephyr, dem Herrn der Winde, auf Anweisung Amors, der sich selbst in Psyche verliebt hat, in ein Schloss entführt. Nachts besucht er sie, doch tagsüber verschwindet er, ohne dass sie ihn je zu Gesicht bekommt. Psyches Schwestern stiften die Prinzessin dazu an, herauszufinden, wer der Liebhaber wohl sei. Sie befolgt den Rat und wartet mit einer Öllampe und einem Messer auf den nächtlichen Besucher. Als sie ihren Geliebten beleuchtet, erblickt sie den schönen, geflügelten Amor. Ein Tropfen des heißen Öls fällt auf seine Schultern. Er fühlt sich betrogen, fliegt davon und lässt Psyche zurück. Im weiteren Verlauf kommt es zu hanebüchenen Prüfungen durch Venus, bei deren letzter Aufgabe Psyche ein Kästchen öffnet, das eine Schönheitssalbe enthält. Sie trägt die Salbe auf, und fällt in einen todesähnlichen Schlaf. Amor liebt Psyche immer noch und scheucht mit seinen Flügeln ihren Schlaf wieder in das Kästchen zurück. Amor und Psyche heiraten und sie wird unsterblich. Psyche bekommt eine wunderschöne Tochter, die den Namen Voluptas (Wollust) erhält.
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