Kendoka - 2003, Höhe 156 cm
„Sport ist Mord!“ heißt es landläufig, und so falsch ist das auch gar nicht. Interpretiert wird dieser Spruch dahingehend, dass die Schinderei des Sportlers betont wird.

Tatsächlich ist der Wettkampf das Surrogat des Krieges. Keine der vielen Sportarten, und besonders die zudem so bezeichneten Kampfsportarten, verzichtet auf den Angriff und die Unterwerfung des Gegners.

Die Anthropologie weiß darum, was sich im Busch so alles abspielt, wenn der eine Stamm den anderen niederwirft. Wenn der Triumphator die Hütten verbrennt, die Kinder tötet, die Frauen verschleppt, die Hirse stiehlt und die tapferen Anführer trophäenhalber symbolisch oder tatsächlich auffrißt.

Kendo ist eine sehr authentische Sportart, die keinen Hehl aus ihrem Ursprung macht. „Wer verteidigt, verpaßt die Gelegenheit des Angriffs“. Einfach und unmißverständlich. In philosophischer Tradition mit liebenswürdig übersteigertem Ehrgefühl.

Der Tod des Gegners ist die eine Belohnung, der Sieg die andere. Wo hat man das schon - nur Kombattanten erleben die Ehre und die Freude des doppelten Triumphes.

Die Trophäen als Zeichen der kriegerischen Macht und Überlegenheit finden sich bis heute in Wimpeln und Pokalen, aber besonders archaisch in symbolischen Menschengeschenken wie die küssenden Mädchen auf den Siegertreppchen im Radsport oder wie das Zeugungsritual mit Champagner in der Formel 1.

Die meisten Gesellschaften haben diesen Kriegsersatz kultiviert; andere benutzen noch eine tote Ziege als Ball.

Der Krieg verschwindet? Nein - es sind bestenfalls weniger als ohne Sport.